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Protestaktion
27.05.00
12:00 Uhr
Flughafen Köln/Bonn
Lufthansa-Terminal
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deportation
class* stop
Aktionstag gegen Abschiebungen durch die Lufthansa
Etwa 50 Menschen haben heute aus Anlass des Todestages von Aamir Ageeb
vor dem Lufthansaterminal auf dem Flughafen Köln-Bonn gegen Abschiebungen
durch die Lufthansa protestiert, darunter auch einige „FlugbegleiterInnen
gegen Abschiebung“. Die „Lufthansa-Crew“ führte ein Transparent mit der
Aufschrift „DeportationClass“ mit sich und forderte das Flugpersonal anderer
Fluggesellschaften sowie die Fluggäste mit Handzetteln und per Megafon
zum Handeln gegen Abschiebungen auf. Von der Lufthansa fordern sie den
sofortigen Ausstieg aus dem Geschäft mit Abschiebungen.
Die wartenden Passagiere und das anwesende Flugpersonal reagierten überrascht
auf die ungewöhnliche Aktion auf dem Airport und nahmen die Informationen
mit großem Interesse auf. Zur Erinnerung an den Tod von Aamir Ageeb stellten
die Demonstranten vor dem Flugschalter der Lufthansa eine Tafel auf und
legten Blumen nieder. Die DemonstrantInnen waren dem Aufruf des Kölner
Netzwerks KEIN MENSCH IST ILLEGAL gefolgt. Sie beendeten die Aktion nach
eineinhalb Stunden.


Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter fordern: DeportationClass Stopp!
Wir Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter protestieren hier anlässlich
des Todestages von Aamir Mohamed Ageeb gegen Abschiebungen durch die Lufthansa.
Am 28. Mai 1999 starb der sudanesische Flüchtling an Bord der Lufthansamaschine
LH-558 nach Kairo. Er sollte, durch drei Beamte des Bundesgrenzschutzes
begleitet, in den Sudan abgeschoben werden. Die Beamten hatten den 30-Jährigen
gefesselt, ihm einen Motorradhelm aufgesetzt und ihn so lange auf den
Sitz gedrückt, bis er erstickte.
Der Tod des jungen Afrikaners hat uns Flugbegleiter tief erschüttert,
schließlich war er nicht das erste Opfer der unmenschlichen Abschiebepraxis
in einem Flugzeug der Lufthansa. Bereits 1994 starb der Nigerianer Kola
Bankole mit einem Strumpfknebel im Mund noch vor dem Abflug vom Rhein-Main-Flughafen
ebenfalls an Bord einer Lufthansamaschine, ohne dass dieser schreckliche
Todesfall Konsequenzen hatte. Die Behörden sowie die Lufthansa gingen
nach dem Erstickungstod von Aamir Mohamed Ageeb im vergangenen Jahr genauso
schnell wieder zur Tagesordnung über, wie nach dem Tod von Kola Bankole.
Die Ermittlungsverfahren gegen die Beamten des Bundesgrenzschutzes, die
für den Tod der abgelehnten Asylbewerber verantwortlich waren und gegen
den Arzt, der dem herzkranken Bankole eine Beruhigungsspritze verabreicht
hatte, verliefen im Sande.
Beamte des BGS haben nach Schließen der Flugzeugtüren keine polizeilichen
Befugnisse und sind normale Passagiere. Die Bordgewalt obliegt dem Flugkapitän.
Er ist für die Sicherheit der Passagiere verantwortlich und entscheidet,
ob er startet. Er wird zur Rechenschaft gezogen, wenn ein Fluggast verletzt
wird oder zu Tode kommt. Grund genug, den Transport von Passagieren, die
nicht freiwillig mitfliegen, abzulehnen. Nach dem Tokioter Abkommen von
1964 können auch andere Besatzungsmitglieder - also auch wir Flugbegleiterinnen
und Flugbegleiter - ebenso wie jeder Fluggast in Ausnahmefällen geeignete
Maßnahmen ergreifen, um strafbare Handlungen zu unterbinden, wenn der
Flugkapitän sie nicht ermächtigt hat. Flugpersonal und Passagiere, die
Vorfälle beobachten, bei denen Gefahr für das Leben oder die körperliche
Unversehrtheit eines Passagiers besteht, sind also in der Pflicht.
Deshalb stehen wir heute hier, um auf die unmenschliche Abschiebepraxis
im Luftverkehr aufmerksam zu machen. Seit die Lufthansa öffentlich in
die Kritik gerät, behaupten Sprecher des Konzerns, die Airline lehne Abschiebungen
gegen den Widerstand der Betroffenen grundsätzlich ab und befördere sie
seit Juni 1999 nicht mehr. Die Realität sieht leider anders aus, denn
bis heute gibt es keine entsprechende Dienstanweisung der Lufthansa. So
wurden Flugbegleiter in den vergangenen Monaten wiederholt Zeugen gewaltsamer
Abschiebungen, z.B. auf Lufthansaflügen von Paris nach Berlin und von
München nach Sarajewo.
Wir rufen auch das Flugpersonal anderer Gesellschaften zur Zivilcourage
und zum Handeln gegen Abschiebungen auf. Auch Passagiere können eingreifen.
Fordern Sie die Piloten zum Abbruch des Fluges auf, wenn sie Zeuge von
Abschiebungen werden. Von der Konzernleitung der Lufthansa erwarten wir,
dass sie diesen Geschäftsbereich endgültig aufgibt.
weitere Informationen www.deportation-alliance.com
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