...und die Nazis standen im Dunkeln

Widerstand in Belgien
Zeitzeugenveranstaltung
mit David Lachman, Brüssel
Freitag, 14. September 2007, 19.30 Uhr
Alte Feuerwache, Großes Forum, Melchiorstr. 3, Köln

In Belgien gab es während der Besetzung durch die Deutschen im 2. Weltkrieg eine breite Widerstandsbewegung, über die hierzulande wenig bekannt ist. Viele Gruppen handelten aus dem Untergrund heraus. Bemerkenswert ist der Widerstand großer Teile der Bevölkerung gegen die Nazis: Postbeamte ließen Schreiben der Nazi-Bürokratie verschwinden, 3500 jüdische Kinder wurden im Land versteckt und überlebten. 56% der jüdischen Bevölkerung in Belgien haben überlebt. Im Januar 1944 wurden in der Aktion „der große Schnitt“ („la grande coupure“) 19 Hochspannungsleitungen gesprengt und viele Fabriken und Bergwerke lahmgelegt. Massenhaft wurden Züge zur Entgleisung gebracht. Am 19. April 1944 stoppten drei junge Männer den 20. Deportationszug vom Sammellager Mechelen nach Auschwitz und öffneten Waggontüren. Insgesamt konnten 232 Menschen aus dem Zug fliehen, 23 Juden starben im Kugelhagel der Zugwachmannschaft. Alle, die dem Todeszug entkamen, wurden von der Bevölkerung versteckt und überlebten den Holocaust.
1941 tritt David Lachman als 17jähriger in die belgische Partisanenarmee ein. Er ist Mitglied in der Independence Front – der Unabhängigkeitsfront –, einer Dachorganisation von Widerstandsgruppen, die in verschiedenen Sektoren des sozialen Lebens aktiv ist. 1944 wird er verhaftet und nach Auschwitz deportiert, später nach Mauthausen und Ebensee. Am 5.5.1945 verweigern die Häftlinge den Gang in die verminten Stollen, weil sie damit rechnen, kurz vor dem Eintreffen der Alliierten ermordet zu werden. Am 25.5.1945 kehrt David Lachman nach Belgien zurück, wo er heute noch lebt.
Wir haben David Lachman bei der diesjährigen Gedenkfeier zum Jahrestag der Befreiungsaktion auf den 20. Deportationszug in Boortmeerbeek in Belgien kennen gelernt. Wir freuen uns sehr, dass er nach Köln kommt und laden Sie/Euch herzlich zur Veranstaltung ein.
Die Initiative „Die Bahn erinnern“

Hinweis: Samstag, den 15. September 2007, 14 bis 18 Uhr, Bahnhof Ehrenfeld, Bartholomäus-Schink-Str., Aufgang Venloer Str., neben der Gedenktafel: Veranstaltung zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus und Präsentation eines Konzeptes „Erinnerungsort Bahnbogen Ehrenfeld“.

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