Mehmet liebt Barış

Kundgebung
Freitag, 17.06.05
11 Uhr, vor dem türkischen Konsulat in Hürth

Am 8. April diesen Jahres wurde der Totalverweigerer Mehmet Tarhan aus seinem Hotelzimmer in Izmir (Türkei) verhaftet. Nach seiner Verhaftung wurde er seiner Einheit in Tokat überstellt. Er verweigerte den Gehorsam und wurde in das Militärgefängnis in Sivas überführt, in dem er bis heute sitzt.
Angestiftet von der Gefängnisleitung fielen Mithäftlinge über den “schwulen Vaterlandsverräter” her, verletzten ihn schwer, erpressten und bedrohten ihn mit dem Tod. Aus Protest gegen diese Misshandlungen befindet sich Mehmet Tarhan seitdem im Hungerstreik.
In dem Prozess wegen „Ungehorsam vor versammelter Mannschaft“, der am 9. Juni 05 stattfand wurde Mehmet vom Militärgericht in Sivas freigelassen, jedoch unmittelbar danach erneut dem Rekrutierungsbüro überstellt und ein zweites Mal einberufen und „seiner“ Einheit überstellt.
Da Mehmet Tarhan jede Zusammenarbeit mit dem Militär aus Gewissensgründen verweigert und bereits vor dreieinhalb Jahren öffentlich erklärte, dass er aus Gewissensgründen jede Art von Wehrdienst ablehne, wird er weiterhin jeden Befehl verweigern, was ein weiteres Strafverfahren gegen ihn zur Folge haben wird. (Zitat oben)
Mehmet Tarhan beweist in zweifacher Hinsicht Mut, indem er als erster Totalverweigerer öffentlich bekennt, dass er schwul ist. Die Möglichkeit, sich seine Sexualität als “psycho-sexuelle Störung” attestieren zu lassen und damit vom Wehrdienst freigestellt zu werden, lehnte er jedoch als entwürdigende Prozedur ab – auch nach seiner Verhaftung.
Seit der öffentlichen Verweigerung lebte Mehmet sozusagen als “Fahnenflüchtiger”.
Er ist nicht der einzige, der den Militärdienst in der Türkei verweigert.

Da es die Ersatzdienst zu leisten, in der Türkei noch nicht gibt, sind alle Wehrdienstverweigerer automatisch Totalverweigerer. Offizielle Zahlen gingen 1999 von 426.000 Fahnenflüchtigen aus. Über die heutige Zahl gibt es keine offiziellen Angaben.
Die meisten tauchen einfach ihr Leben lang unter oder reisen nicht mehr ins Land ein, wenn sie sich im Ausland aufhalten.
Seit Ende der 80er Jahre gibt es eine anti-militaristische Bewegung, die mit öffentlichen Verweigerungen die Macht des Militärs herausfordert. Lange Zeit wurden diese Verweigerungen ignoriert und nach den Verweigerern nicht explizit gefahndet. Das scheint nun vorbei zu sein. (?)

Freiheit für Mehmet Tarhan!
Für die Abschaffung von Militär und Militarismus überall auf der Welt

* Titel: “Mehmet liebt Barış” ist ein auf einer Anti-Kriegsdemo spontan entstandener Slogan. “Barış” bedeutet “Frieden”, ist aber auch ein Männername. “Mehmet” ist ein Männername, der aber auch synonym für den einfachen Soldaten gebraucht wird.