Die Keupstraße als Medienereignis

Rückblicke – Einblicke – Ausblicke

Freitag, 23. Mai 2014, 14-16 Uhr, NS-Dokumentationszentrum,
Veranstaltungsraum 2. Stock, Appellhofplatz 23-25, 50667 Köln

„Keinerlei Hinweise auf Rechtsextremismus“ übernehmen nur wenige Tage nach dem Nagelbombenanschlag in der Köln-Mülheimer Keupstraße Deutschlands Leitmedien die Deutungen von Polizei, Verfassungsschutz und Politik.
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) gibt bereits am 10. Juni 2004 der Presse bekannt: „Die Erkenntnisse, die unsere Sicherheitsbehörden bisher gewonnen haben, deuten nicht auf einen terroristischen Hintergrund, sondern auf ein kriminelles Milieu.“

Der „allgemeindeliktische Hintergrund“ (FAZ 12.06.2004) wird in der veröffentlichen Meinung schnell zur Gewissheit. Dass die Terrortat einen neonazistischen Hintergrund haben könnte, wird als Mutmaßung von betroffenen Anwohnern und Geschäftsleuten dargestellt.
Zweifel an der Version, Revierkämpfe zwischen „kurdischen, türkischen und albanischen Banden“ würden wohl nunmehr mit Bomben ausgetragen werden (Süddeutsche Zeitung 11.06.2004), sind eher am Rande der Berichterstattung zu vernehmen. So am 12. Juni 2004, als der Kölner Stadt-Anzeiger den Kölner Oberstaatsanwalt Rainer Wolf zitiert: „Entgegen der Meinung von Bundes- und Landesinnenministerium will Wolf neben einem kriminellen oder persönlichen Motiv auch einen politischen oder gar fremdenfeindlichen Hintergrund des Anschlags nicht ausschließen“. Die voreilige und falsche Festlegung auf das Anschlagmotiv avanciert trotzdem für mehr als sieben Jahre zur medialen Wirklichkeit. Eine Korrektur findet erst nach der Selbstentlarvung des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ am 4. November 2011 statt. Solange währt eine Wirklichkeit, die aus den Opfern potentielle Täter macht.

Durch die Brille der Medien und Blogs verfolgen wir heute den „Jahrhundertprozess“ in München, der zehn Morde, zwei Bombenanschläge mit Schwerverletzten und 15 Raubüberfälle des NSU aufklären soll.
Welche Fragen werden heute von den Medien gestellt?
Avanciert die schweigende Hauptangeklagte Beate Zschäpe in den Medien zur „Stil-Ikone“, während die Opfer ein weiteres Mal mit ihren Einschätzungen zum Prozess kaum zu Wort kommen? Wie werden die Aktivitäten der Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden beleuchtet?
Wie kann eine adäquate Berichterstattung aussehen?
Sie sind herzlich eingeladen, im Gespräch mit Thorsten Moeck (angefragt), Richard Heister und Ayça Tolun Einblicke in die Berichterstattung von den Terrortaten bis zum Prozess zu nehmen und die Möglichkeiten und Fallstricke in der Medienberichterstattung zu diskutieren.

Eine Kooperationsveranstaltung von

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